Immer häufiger gibt es in der Praxis Anfragen zum Problem, dass ein Partner | Partnerin erotische Außenkontakte über chat, live-stream oder ähnliche Dienste sucht. Vielleicht werden dabei auch erotische Bilder gesendet u. empfangen, das wird sexting genannt. In einer Liebesbeziehung kann sich dadurch einer der Partner gestört | verletzt | enttäuscht fühlen.

Fehler

  • Fehler Nr.1: Meist geschieht es heimlich, was ein grundsätzliches Vertrauensproblem bringen wird.
  • Falls er/sie dabei erwischt worden ist und sich dieses Verhalten wiederholt, bedeutet das Fehler Nr. 2.
  • Fehler Nr.3: Es gibt kein gutes Gespräch darüber. Der/die PartnerIn der/die sich davon gestört fühlt wird noch dazu als zu wenig vertrauensvoll, kleinlich oder bevormundend dargestellt. Vielleicht auch noch als “verklemmt” abgewertet. Dies tut der Beziehung mit Sicherheit nichts Gutes - besonderns wenn es sich wiederholt.

Fragen an alle Erotik-Schreibenden

  • Was zieht Sie an Außenkontakten an?
  • Welche Gefühle können damit erzeugt werden, die es in Ihren Beziehungen anscheinend nicht gibt?
  • Wie könnte das exklusiv mit Ihren PartnerInnen gehen?
  • Was macht Ihre chat-Gewohnheit mit der Partnerin - bemerken Sie etwas und nehmen Sie es ernst?
  • Wie könnte es gelingen, Ihre Wünsche zukünftig offen(er) zu äußern? Was könnte das für eine spannende neue Phase in Ihrer Beziehung werden?

In Paarbeziehungen gibt es meist einen Zeitpunkt, an dem das Paar seine Beziehung “offiziell” macht. Seit dann und dann sind wir zusammen! Alle dürfen das wissen. Damit entsteht eine Art Bündnis, wie ein Vertrag.

Wie wird Beziehung gelebt, wer gehört aller dazu, wo, wie oft sehen Sie sich, wie passt Ihr Eigenleben in die neue Konstruktion. Wie haben FreundInnen Platz darin, welcher Abstand zu den Eltern wird eingenommen. Viele Parameter sind zu klären, je nach Alter, Lebensabschnitt und Situation.

Auch die Frage, wer nicht in die nähere partnerschaftliche Beziehung gehört wird geklärt. (z.B. die ExpartnerInnen, die Nachbarn etc.)

Eine Urlaubsbeziehung wird anders definiert sein, als eine Fernbeziehung oder eine geheime Affaire. Ein junges SchülerInnenpaar definiert Liebesbeziehung auch anders als zwei Mitdreißiger, die ans Hausbauen oder an einen Kinderwunsch denken. Selbst Paare, die polyamorös leben haben (hoffentlich) klare Regeln.

Zur Heimlichkeit (Nr.1)

Es wäre gut, wenn erotische Außenkontakte (gleich ob real oder virtuell) besprochen werden und entweder in die Beziehung als gemeinsam erlaubte anregende “Spielwiese” mit hineingenommen oder eben klar ausgeschlossen werden. Besprechen Sie das und treffen Sie dazu auch eine klare Vereinbarung, die für beide Seiten passt bzw. einhaltbar ist.

Zum Wiederholen (Nr.2)

Alles war stört oder verletzt zu vermeiden hat in einer Beziehung oberste Priorität. Es gehört bereinigt, sonst kann es bei Wiederholung langfristig zu einer Störung und sogar Zerstörung der Beziehung kommen. Ob es erotische Außenkontakte sind, unangenehme Gewohnheiten oder anderes verletzende Verhalten - die Partner haben ein Recht auf Schutz vor Verletzung und auf die Sicherheit eines guten Miteinander. Manche empfinden dabei die Zweisamkeit, also die Exklusivität als wichtige Basis. “Nur ich bin dir so nahe und nur du sollst mir so nahe sein.” Das kann, muß aber nicht beschlossene Sache sein.

Zum fehlenden guten Gespräch (Nr.3)

Ein offenes Gespräch steht immer dann an, wenn ein Partner sich gekränkt, verärgert, unverstanden … fühlt. Durch heimliche virtuelle Erotik Kontakte kann Zweifel über die Exklusivität der Beziehung entstehen, Unsicherheit über das eigene Geliebtsein,das körperliche Aussehen, die sexuelle Anziehungskraft. Das sollte offen besprochen und die PartnerInnen nicht ihren Phantasien überlassen werden.

Sehr oft schwingt in den Anfragen die Unsicherheit des gekränkten Partners mit, ob er/sie mit seinen (verletzten) Gefühl überhaupt Recht hat. Ja! Immer. Es fühlt sich nicht gut an, ich weiß nicht warum er/sie das macht, ich hab klar gesagt, es stört mich.

Tun Sie sich den Gefallen und nehmen Sie Ihre Gefühle und Bedürfnisse ernst. Riskieren Sie es, dass dabei auch Widersprüche erkennbar werden. Zeigen Sie Ihr sexuelles Profil und es kann ein spannendes neues gemeinsames Kapitel beginnen.

Etwas Geduld mit dem Frühlingsbeginn und viele spannende Stunden zu zweit,

wünscht Martin Geiger, Psychotherapeut | Paar- und Sexualtherapeut

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